Das Beste kommt zum Schluss

 

 

Eines ist fix: Michael Kurz hängt seine Langlauflatten nach Sochi wettkampfmäßig an den Nagel. In seinen letzten Rennen will der Osttiroler bei den Paralympics aber noch einmal im Spitzenfeld mitmischen. 

 

Langläufer und Biathlet MICHAEL KURZ, WM-Medaillengewinner und Sieger im IPC Weltcup. © GEPA  #SOCHI2014
Langläufer und Biathlet MICHAEL KURZ, WM-Medaillengewinner und Sieger im IPC Weltcup. © GEPA #SOCHI2014

 

 

„Gelassener geht es wohl nicht!“, beschreibt der einzige Langläufer und Biathlet im ÖPC-Team seine Gefühlslage vor seinen insgesamt vierten Paralympics. Druck verspürt der 40-Jährige keinen, Ehrgeiz aber schon. Kurz: „Es macht mich stolz, dass ich nach wie vor im Spitzenfeld mitmischen kann. Aber ehrlich gesagt bin ich diesmal froh, wenn ich mit meinen 40 Lenzen eine Top-Ten-Platzierung erreichen kann.“ Die Strecke in Sochi sollte dem Lesachtaler, der in allen Disziplinen, in der Kurz- und Langdistanz im Langlauf und Biathlon, an den Start gehen wird, entgegenkommen: „Ich wohne ja auf über 1.100 Meter über Meereshöhe, die anspruchsvolle Strecke sollte mir liegen.“ Die besten Medaillenchancen hat der bald dreifache WinterParalympics-Teilnehmer wohl im abschließenden 10-Kilometer-Langlauf. An einer Medaille ist Michael Kurz bislang immer vorbeigeschrammt, in Turin wurde er 5ter und 6ter, in Vancouver belegt er über 20 Kilometer Langlauf Platz 6. Für Michael Kurz werden es „definitiv die letzten Rennen im Behindertensport sein“. Dass er in Sochi der einzige nordische Athlet im alpinlastigen ÖPC-Team ist, stört ihn nicht, den Nordischen mangelt es an Nachwuchs: „Wahrscheinlich sind meine Sportarten zu uncool und viel zu trainingsaufwändig.“ Der Osttiroler ist kein Mann der leichten Wege, geht körperlichen Anstrengungen nie aus dem Weg. Michael Kurz war Skitourenläufer, Radfahrer und Spitzensportler, als er bei einem Skitourenrennen in Pierra Menta in Frankreich im März 1999 bei einer der letzten Abfahrten in einer Schneewechte so abrupt auf Null gebremst wird, dass er sich einen Kompressionsbruch der Halswirbel zuzieht. Nach der Erstversorgung in Albertville und der OP in Grenoble machen ihm die Ärzte Hoffnung, erst in Innsbruck die niederschmetternde Diagnose: Rollstuhl, Lähmung halsabwärts. Doch Michael Kurz gibt sich selbst nicht auf, glaubt an die Rückkehr in ein normales Leben und nimmt seine Reha selbst in die Hand. Kurz: „Der Mittelfinger hat erste kontrollierte Zuckungen gemacht.“ Heute kann er seine Sportarten wieder alle ausüben, doch motorische Ausfälle schränken ihn ein: „Wenn ich an meine Grenzen oder drüber gehe, dann bekomme ich unwillkürliche Muskelzuckungen, dann habe ich meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle.“seiner Paralympics-Premiere in Athen Platz 5. Er wird mehrfacher Gesamt-Europacupsieger im Paracycling und mehrfacher Staatsmeister. Zeit, sich auch wieder dem geliebten Wintersport zu widmen: 2003 holt Michael Kurz im bei der Weltmeisterschaft im Langlaufen Silber und Bronze im Biathlon, dazu kommt 2009 noch einmal Bronze im Langlauf. Doch der Spitzensport ist dem Ausnahmekönner schon lange nicht mehr genug: Michael Kurz will mehr, das Unmögliche möglich machen und an seine Grenzen gehen. 2009 absolviert er als Radfahrer den Jakobsweg, legt vom Lesachtal über Lourdes bis nach Santiago de Compostela einen Weg von 2.800 Kilometern zurück: „Ich habe diesen Jakobsweg aus reiner Dankbarkeit bestritten, der Weg war extrem lohnend für mich. Keinen Tag davon hatte ich das Gefühl, dass ich mir das „antue“. Ich habe es genossen.“ Einen Top-Ten-Platz hat unser einziger Langläufer und Biathlet on Sochi im Visier, ohne Druck könnte es sogar noch mehr werden. In der Vorbereitung lief alles nach Plan, in nur drei Rennen hatte Michael Kurz die nötigen Punkte für eine Qualifikation beisammen, trainiert hat er im Hinblick auf seine letzten Paralympics mehr denn je. Seine Leidenschaft gilt neben dem Spitzensport aber vor allem dem Skibergsteigen und Extremsportrennen wie dem Dolomitenmann, an dem er bereits einige Male vor seinem Unfall und 2012 und 2013 als Bergläufer mitgemacht hat: „Dort starte ich für Wings for Life für einen guten Zweck, daher bedeuten mir diese Rennen sehr viel. Auch die Öffentlichkeit erlebt hier Integration und kann sich einen direkten Vergleich mit uns behinderten Spitzensportlern machen. Michael Kurz Zukunft liegt im Extremsport: Amerika von Kanada nach Mexiko hat er schon mit dem Rad durchquert, Südamerika bis nach Patagonien stünde für den Tierliebhaber (besitzt mehrere Papageien, Echsen, Fische usw.) noch auf dem Plan. Zum Karriereende legt der Osttiroler aber jetzt erstmal in Sochis Bergen los. Ganz nach dem Motto: Das Beste kommt zum Schluss. Und war es noch nicht das Beste, war es auch noch nicht das Ende. © ÖPC 

 

 

 

 

Der Herr Bundespräsident hat mit Entschließung vom 26. November 2003 das

SILBERNE EHRENZEICHEN FÜR VERDIENSTE UM DIE REPUBLIK ÖSTERREICH

an Herrn Michael KURZ verliehen

 

Michael Kurz has been awarded the Silver Medal for Services to the Republic of Austria. © IPC